Thüringer Denkmalschutzpreis für Weimarer Wohnstätte GmbH

Engagement bei Freilegung und Restaurierung von Wohnraum Adolf Meyer gewürdigt

Die Weimarer Wohnstätte GmbH ist einer von 11 Preisträgern, die den Thüringer Denkmalschutzpreis 2025 erhalten. Die Auszeichnung nimmt Geschäftsführer Udo Carstens heute persönlich vom Thüringer Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur, Prof. Dr. Steffen Teichert, in Erfurt entgegen. Gewürdigt wird das Unternehmen für sein überdurchschnittliches Engagement bei der Wiederentdeckung, Restaurierung und nachhaltigen Konservierung des Raumkunstwerkes in der ehemaligen Privatwohnung des Bauhaus-Meisters Adolf Meyer.

Es war schon eine kleine Sensation, als unter der Tapetenschicht tatsächlich etwas zum Vorschein kam und sich die vage Vermutung zu bewahrheiten schien. Die Anfänge des Projektes und die damit zusammenhängende Recherche liegen schon länger zurück. Anfang der 2000er Jahre war die Wohnung in der Rudolf-Breitscheid-Straße 4 noch von einer Familie bewohnt. Sicher sein, dass es sich wirklich um die Wandgemälde von Oskar Schlemmer, Werner Gilles und anderen Mitgliedern der Bauhauswerkstatt handelt, konnte man aber erst mit dem Beginn der Untersuchungen, nachdem die Wohnung 2017 leergezogen worden war. „Wir haben bei Sanierungen schon öfter historische Funde gemacht und diese denkmalgerecht aufgearbeitet. Als ich das erste Mal davon hörte, dass in einer unserer Wohnungen ein verloren geglaubtes Raumkunstwerk versteckt sein soll, war ich erstmal skeptisch, aber durchaus aufgeschlossen. Deshalb haben wir das Projekt von Anfang an unterstützt. Nachdem die Familie ausgezogen war, standen der Freilegung und detaillierten Analyse nichts mehr im Weg.“, erinnert sich Udo Carstens. Hervorheben muss man an dieser Stelle vor allem das beharrliche Engagement von Michael Siebenbrodt, dem ehemaligen Leiter des Bauhaus-Museums, des Vereins „Bauhaus.Weimar.Moderne Die Kunstfreunde e.V.“ und der Expertise des Restaurators Ludwig Volkmann, der die Wandmalereien trotz starker Beschädigungen und früherer baulicher Eingriffe in Teilen wiederhergestellt hat. Gut behütet wird das Kunstwerk heute vom Kulturrat Thüringen e.V., der im August 2020 in die aufwendig sanierten Räume der ehemaligen Meyer-Wohnung zog. Zu ausgewählten Terminen ist auch eine Besichtigung möglich. 2023, im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Bauhaus-Ausstellung, gab es unter dem Titel „Verborgenes Bauhaus“ ein zweitätiges Fach-Symposium, dessen Programm sich inhaltlich mit der Wiederentdeckung und Restaurierung der Wandmalereien beschäftigte.

Für den Thüringer Denkmalschutzpreis kann man sich übrigens nicht bewerben, man kann nur dafür vorgeschlagen werden. Das anteilige Preisgeld wird in ein anderes Denkmalprojekt der Weimarer Wohnstätte GmbH fließen: die Altenburg. Bereits im Frühjahr hatte das kommunale Wohnungsunternehmen auf den kritischen Zustand des Gebäudes an der Jenaer Straße aufmerksam gemacht und ein Privatmuseum eröffnet, das „Refugium Liszt“. Hier werden die ehemaligen Wohnräume Franz Liszts an bestimmten Tagen für Besucher geöffnet und in Kooperation mit der Deutschen Liszt-Gesellschaft Führungen angeboten. Die Termine für 2026 werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Hintergrund zum Raumkunstwerk

Adolf Meyer, Meister am Staatlichen Bauhaus und Leiter des Architekturbüros von Walter Gropius, ließ im Frühjahr 1923 im Vorfeld der Bauhaus-Ausstellung das Wohnzimmer seiner Mietwohnung von Oskar Schlemmer und Werner Gilles sowie Mitgliedern der Wandmalereiwerkstatt des Bauhauses mit Wandgemälden als Gesamtkunstwerk neu gestalten. Dieses galt lange als zerstört und verloren. Dank des Engagements des „Bauhaus.Weimar.Moderne Die Kunstfreunde e.V.“ wurde es Anfang der 2000er Jahre wiederentdeckt. Die finanziellen Mittel für die Restaurierung konnten durch Kooperation des Vereins mit dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und der Weimarer Wohnstätte GmbH als Hauseigentümerin bereitgestellt werden. Aufgrund der Seltenheit und des hohen Grads an Authentizität ist die Ausgestaltung des Wohnraums ein einzigartiges und bedeutendes Zeugnis des Bauhauses in Weimar und wurde in das Denkmalbuch des Freistaates Thüringen eingetragen.