Weimars Marktplatz bekommt modernen Wohnraum in historischem Ambiente und einen interaktiven Willkommensort

Das Stadthaus am Markt 10 wird derzeit umfassend saniert. Es entstehen 12 Wohnungen verschiedener Größe, die alle über einen Aufzug erreichbar sein werden. Die Kosten in Höhe von 5,8 Mio. EUR werden teilweise aus Mitteln der Städtebauförderung bezuschusst. Im Erdgeschoss wird die Tourist-Information wieder einziehen und ein neues Besuchserlebnis bieten.

Das Stadthaus steht als Einzeldenkmal unter Schutz. Demzufolge muss bei der Sanierung der Spagat zwischen energetisch und finanziell sinnvollem Bauen, modernen Nutzungsansprüchen und der behutsame Umgang mit dem Denkmalschutz gelingen. Im 1. OG beispielsweise wird ein Teil der quadratischen DDR-Betonfassade Teil des Wohnbereichs werden, was dem Raum einen einzigartigen und durchaus extravaganten Charakter verleihen wird. Die Fassade zur Marktseite wird ihr gewohntes Aussehen behalten, auch die Veränderungen an der Nord- und Ostseite werden kaum wahrnehmbar sein. Der Hauptzugang von der Kollegiengasse wird als Ersatzneubau in seinen Abmessungen identisch mit dem Vorgängerbau sein, jedoch mit aktuellem energetischem Standard. Neu ist auch ein im Treppenhaus verbauter Aufzug, der barrierefrei bis in das 3. OG führen wird. Auf der Südseite des Daches wird eine Photovoltaikanlage installiert.

Bis Ende 2027 werden insgesamt 12 neue Mietwohnungen entstehen, die meisten mit einem zusätzlichen Abstellraum sowie mit Loggien. Das 1. OG, wo sich auch die ehemaligen Büroräume der Tourist-Information befanden, wird zu vier Wohneinheiten umfunktioniert. Jeweils drei Wohnungen werden im 2. und im 3. OG eingeordnet sowie der Zugang inklusive großzügigem Eingangsbereich zu weiteren zwei Wohnungen im 4. OG, die über eine interne Treppe erreichbar sind. Die verschiedenen 2- bis 5-Raum-Wohnungen ergeben eine Gesamtwohnfläche von 970 m². „Ich bin schon etwas stolz, dass wir in Weimar immer wieder solche Projekte gemeinsam stemmen und innerstädtisches Wohnen – auch für Familien – anbieten können“, sagt der Geschäftsführer der Weimarer Wohnstätte GmbH, Udo Carstens. Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Peter Kleine, dessen Amtssitz sich genau gegenüber befindet, zeigt sich ebenso begeistert: „Es ist spannend, wie sich hinter einer Fassade ein ganzes Gebäude verändern kann. Das Stadthaus hat eine bewegte Geschichte und nun schreiben wir ein weiteres Kapitel, das die zukünftige Nutzung des Hauses beinhaltet.“ 414 m² werden als Gewerbefläche zur Verfügung stehen. Der Großteil davon wird wieder von der weimar GmbH als Tourist-Information genutzt werden. „Die Modernisierung bietet die Chance, die Tourist-Information Weimar zu einem zukunftsfähigen Willkommensort für Gäste und Weimarer weiterzuentwickeln“, kündigt Ulrike Köppel, Geschäftsführerin der weimar GmbH, an. „Wir planen digitale und interaktive Angebote zu installieren und dabei die persönliche Beratung zu stärken. Mehrsprachige und barrierefreie Informationen sollen leicht zugänglich sein und in ein modernes Besuchserlebnis eingebettet werden.“

Von den insgesamt 5,8 Mio. EUR, die für die gesamte Sanierung aufgewendet werden müssen, werden 1,49 Mio. EUR über Städtebauförderung von Bund, Land und Stadt bezuschusst, genauer gesagt vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, vom Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur sowie aus dem städtischen Haushalt. Den Rest finanziert die Weimarer Wohnstätte GmbH mit Eigen- und Fremdkapital. Wie in vielen anderen Projekten der Stadtsanierung auch fungiert das Weimarer Büro der DSK als Sanierungsträger und Treuhänder.

Bereits Ende Februar 2024 zog die Tourist-Information aus in das schräg gegenüberliegende Gebäude Markt 4. Nachdem Anfang 2025 das Haus endgültig leergezogen war, konnten die Vorbereitungen für die Sanierung getroffen werden. Im August begannen die Entkernungsarbeiten. Dabei wurde der Großteil der Abrissarbeiten von Hand ausgeführt. Lediglich ein Elektro-Radlader wurde eingesetzt, um den anfallenden Bauschutt im Erdgeschoss nach außen in die Container zu bringen. Nach der Winterpause folgte im März der Abriss des ehemaligen Treppenhauses und aktuell werden Öffnungen verschlossen, neue Durchbrüche geschaffen sowie Wände eingezogen, welche die Flächen in die zukünftigen Wohneinheiten unterteilen. Eine Baustelle „mitten auf dem Markt“ einzurichten, ist nicht gerade einfach. Zwiebelmarkt, Weihnachtsmarkt, etc. sollen nach Möglichkeit ungehindert stattfinden können, auch die Rettungszufahrt muss gewährleistet werden. In Abstimmung mit den zuständigen Ämtern ist eine für alle Seiten tragbare Lösung für den Bauablauf gefunden worden.